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Fondation Beyeler

 
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Freitag, 11. Juni 2010

Erste Eindrücke der Arbeit im Restaurierungsatelier

Erste Eindrücke der Arbeit im Restaurierungsatelier

Daniel Kramer, Kunstvermittlung (DK): Sie arbeiten nun seit über zwei Monaten im Restaurierungsatelier „Acanthes“. Fühlen Sie sich hinter dieser grossen Scheibe neben Acanthes von Matisse nicht auch als Ausstellungsgegenstand?

Stephan Lohrengel, Papierrestaurator (SL): Nein, nein, ich bin kein Ausstellungsstück. Ich stelle aber fest, dass das Restaurierungsatelier bei den BesucherInnen des Museums auf grosses Interesse stösst. Ich nehme die Leute im Hintergrund wahr und bemerke, dass sie mir bei der Arbeit zuschauen. Da ich mich aber auf die Arbeit konzentriere, ist dieses Beobachtetsein kein grosses Problem.

DK: Was können die BesucherInnen denn sehen? Wie sieht Ihre Tätigkeit aus?

SL: In unserer Vitrine informieren einführende Texte, Tagesnotizen und Bilder über das Projekt und die aktuellen Arbeiten. Auf einem Monitor zeigen wir historische Filmsequenzen, die Matisse bei der künstlerischen Arbeit zeigen und in der Ablage liegen einige Materialien wie Papier, Farben und eine Schere, die Matisse benutzt haben könnte.

Meine Arbeit sieht momentan folgendermassen aus: die Informationen, die ich bei der Betrachtung von Acanthes, aus Büchern und von anderen Scherenschnitten (Papiers découpés) sammle, speise ich in den Computer ein und werte sie – wenn immer möglich - aus. Dieses Auswerten ist ein sehr wichtiger Teil der restauratorischen Arbeit. Der direkte Eingriff am Werk, den man vielleicht als BesucherIn sofort erwartet, erfolgt erst viel später.

DK: Hat sich die Grösse und Einrichtung des Ateliers bewährt?

SL: Ja, unbedingt. Das Atelier ist ja eigentlich ein Ausstellungsraum im Souterrain der Fondation Beyeler. Die im Vorfeld gemachten Pläne waren sehr sorgfältig ausgeführt, und die Einrichtung, insbesondere das neu angeschaffte Stativ, hat sich bei der Arbeit bereits bestens bewährt. Ebenso die Tische und das Gerüst, das ich benütze, um mir die oberen Bereiche von Acanthes anzugucken. Und schliesslich kann ich im Atelierraum das Licht so differenziert einstellen, dass es das Werk nicht schädigt.

DK: Sie betrachten nun seit mehreren Monaten fast jeden Tag Acanthes. Ist es Ihnen mit dem Scherenschnitt von Henri Matisse noch nicht langweilig geworden?

SL: Acanthes ist von einer so hohen künstlerischen Qualität, dass es bei vertiefter Betrachtung nur immer besser und interessanter wird. Das definiert ja ein gutes Kunstwerk wie Acanthes. Das Werk bleibt spannend - und ich kann darin immer wieder neue Facetten entdecken.